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Niger: Kultur- und Bildungspolitik

21.03.2019 - Artikel

Das Kulturleben in Niger ist vor allem traditionell geprägt und präsentiert sich interessant und facettenreich. Weltweit bekannt sind traditionelle Kulturfestivals wie „Cure Salée“ und „Festival de l’Aïr“, bei denen sich vor allem die Nomaden der Volksgruppen der Tuareg und Peul im Norden Nigers treffen.

Obwohl es im Land lange Zeit kein Kino gab, verfügt Niger über eine aktive Filmkultur. Musiker wie Bombino (Grammy-Nominierung 2019) oder einige Tuareg-Bands sind über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Das historische Stadtzentrum der Wüstenstadt Agadez zählt zum UNESCO Weltkulturerbe, das angrenzende Aïr-Gebirge zum UNESCO Weltnaturerbe. Dort finden sich auch bedeutende Felszeichnungen.

Priorität in der nigrischen Bildungspolitik hat der Zugang zu schulischer Grundbildung. Das Schulsystem folgt weitgehend dem Vorbild Frankreichs. Mittlerweile wird allerdings auch, unter anderem dank deutscher Unterstützung, Unterricht in den Landessprachen angeboten. Für den Unterricht in staatlichen Schulen werden keine Gebühren erhoben, es entstehen jedoch erhebliche Kosten durch Uniformen, Bücher und Material, die von den Familien selbst getragen werden müssen.

Das Bildungssystem erreicht noch immer nur einen Teil der  Bevölkerung und bleibt auch in den Ergebnissen defizitär. Analphabetismus ist unter Erwachsenen nach wie vor weit verbreitet (über 70 Prozent der erwachsenen Bevölkerung – vor allem auf dem Land und bei Frauen ist die Analphabetenrate sehr hoch). Die Zahl der Schulen reicht angesichts des rasanten Bevölkerungswachstums von 4,1%  nicht aus, um den Bedarf zu decken. Das Grundbildungsministerium wird von zahlreichen Gebern unterstützt, so dass nun auch in ländlichen Gebieten Vertragslehrkräfte, allerdings bisher vielfach ohne ausreichende Ausbildung, eingesetzt werden können. Insgesamt ist das Lehrniveau an den Schulen immer noch unzureichend. Konkurrenz bekommen die staatlichen Schulen von besser funktionierenden, aber kostenpflichtigen privaten Schulen besonders in den städtischen Zentren, die jedoch nur Kindern finanzkräftiger Eltern zugänglich sind. Insbesondere für die ländliche Bevölkerung ist der Schulbesuch der Kinder zum einen aufgrund der finanziellen Verpflichtungen und der zurückzulegenden Distanzen, aber auch weil die Kinder als zusätzliche Arbeitskräfte im landwirtschaftlichen Bereich benötigt werden, schwer zu realisieren.

In den letzten Jahren hat die Zahl der Koranschulen, zum Teil finanziert aus Mitteln Saudi-Arabiens und anderer Golfstaaten, erheblich zugenommen. Die Koranschulen beschränken sich häufig lediglich auf das Auswendiglernen des Korans auf Arabisch bzw. den sonstigen ethnischen Nationalsprachen. Die Regierung bemüht sich um ein Konzept, die Koranschulen mit dem staatlichen System zu verknüpfen und deren Bildungsinhalte zu erweitern, und so die großen Erfassungslücken des staatlichen Schulsystems insbesondere auf dem Land zu verringern. Dort soll die Alphabetisierung zunehmend in den ethnischen Nationalsprachen anstelle von Französisch erfolgen.

Die Universität Abdou Moumouni (UAM), ist die größte staatliche Universität für Hochschulbildung in Niger. Sie besteht aus insgesamt sieben Fakultäten. Über die Fakultät für Geisteswissenschaften haben sich in den vergangenen Jahren Kontakte zu deutschen Universitäten etabliert. In den Regionalhauptstädten Maradi, Diffa, Dosso, Tahoua, Tillabéri, Zinder und Agadez wurden Ableger der UAM gegründet. Eine islamische Universität (Say), 1968 durch Beschluss der Organisation Islamischer Staaten gegründet, befindet sich nahe der Hauptstadt Niamey. Hinzu kommen vor allem in Niamey eine Reihe privater Institutionen, die sich Universität nennen, deren Abschlüsse jedoch nicht staatlich anerkannt sind.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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