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Niger: Wirtschaft

21.03.2019 - Artikel

Wirtschaftsstruktur

Niger ist eines der ärmsten Länder der Welt. Auf dem Entwicklungs-Index der Vereinten Nationen ist Niger 2018 wieder auf den letzten Platz gerutscht (189 von 189). Bei zahlreichen Sozialindikatoren liegt der Niger auf einem der letzten Plätze. Das Pro-Kopf Einkommen ist mit rund 360 US-Dollar pro Kopf (2017, Weltbank) eines der weltweit niedrigsten. Nach Angaben von UNICEF sind 72 Prozent (nach anderen Quellen 79 Prozent) der Erwachsenen Analphabeten. Das Land weist eine weitgehend agrarisch geprägte Wirtschaftsstruktur auf. Die Landwirtschaft trägt mit mehr als 40 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei und beschäftigt rund 80 Prozent der Bevölkerung (meist Subsistenzlandwirtschaft). Der Lebenserwerb der überwiegend ländlichen Bevölkerung hängt maßgeblich von den schwankenden Niederschlägen ab, die sich direkt auf die Ernteerträge, aber auch die Qualität der Weideflächen und damit der Viehzucht auswirken.

Eine wichtige Aufgabe der nigrischen Regierung ist es, die Ernährungssicherheit der Bevölkerung zu verbessern. Präsident Issoufou hatte dies 2011 zu einer Priorität seiner Politik erklärt. Nach wie vor sind jedoch weiter Teile der Bevölkerung zumindest saisonal von Nahrungsmittelhilfe abhängig. Das weltweit höchste Bevölkerungswachstum von laut IWF rund 4,1 Prozent erschwert Fortschritte auf dem Gebiet der Ernährungssicherheit maßgeblich. Außerdem sind nur etwa 3 Prozent der Fläche des Landes für Ackerbau, weitere 12 Prozent für Weidewirtschaft nutzbar; durch Übernutzung und Erosion geht jedes Jahrlandwirtschaftlich nutzbare Fläche verloren.

Niger leidet permanent an einem Energiedefizit. Durch Importe aus Nigeria und lokalen Strom auf der Basis von Dieselgeneratoren ist Energie sehr teuer. Beim mit Unterstützung der Weltbank geplanten Kandaji-Staudammprojekt sind mehrjährige Verzögerungen eingetreten.

Aktuelle Wirtschaftslage

Das Wirtschaftswachstum betrug im Jahr 2018 5,3 Prozent (IWF); für 2019 wird mit einer moderaten Steigerung gerechnet. Aufgrund der gleichzeitig stark wachsenden Bevölkerung würde Niger  laut IWF jedoch ein kontinuierliches jährliches Wachstum von etwa 7 Prozent benötigen, um Massenarmut und Arbeitslosigkeit zu überwinden.

Die Inflationsrate bleibt moderat, ist aber deutlich gestiegen. 2017 betrug sie etwa 2,4 Prozent. Von besonderer Bedeutung ist der Energie- und Rohstoffsektor, der über 40 Prozent zum Bruttonationaleinkommen beiträgt und den größten Teil der Exporterlöse erzielt. Wichtig ist vor allem der Abbau von Uran als Hauptexportprodukt. Die Jahresproduktion könnte auf bis zu 10.000 Tonnen gesteigert werden, doch ist aufgrund des anhaltend niedrigen Weltmarktpreises mit einer Ausweitung einstweilen nicht zu rechnen. Die Inbetriebnahme der vom französischen Konzern ORANO (ehemals AREVA) erschlossenen zweiten großen Uran-Mine in Imouraren wurde im Herbst 2015 auf unbestimmte Zeit verschoben. Etwa 20 Prozent des Bruttonationaleinkommens entfallen auf den Dienstleistungssektor, wo Kleinhandel sowie Transport dominieren. Die Struktur der Wirtschaft ist zu 99 % informell. Wichtigster Arbeitgeber ist der Staat.

Seit Ende 2011 wird im Osten Nigers Erdöl gefördert. In Zinder wurde unter chinesischer Regie eine Raffinierie in Betrieb genommen. Der Bau einer Pipeline über Kamerun nach Tschad für den Export von Erdöl wurde wegen der unsicheren Lage im Grenzgebiet (Boko Haram) auf 2020/2021 verschoben. Die Reserven im Osten des Landes bei Agadem werden auf rund 650 Millionen Fass geschätzt. Auch in anderen Regionen des Landes werden Erdöl- und Gasvorkommen vermutet. Es existieren mehrere größere, leicht abbaubare Kohlelagerstätten. Eine US Firma plant hier ein 600 MW- Großkraftwerk, das Niger zum Nettostromexporteur machen könnte. Allerdings leidet auch dieses Projekt unter erheblichen Verzögerungen.

Außenhandel

Der nigrische Außenhandel wird dominiert durch Uranexporte (knapp 50 Prozent des Gesamtexports) überwiegend nach Frankreich, landwirtschaftliche Produkte/Vieh vorwiegend nach Nigeria und die westafrikanische Subregion, sowie Gold. Nach wie vor ist die nigrische Handelsbilanz negativ. China hat seine Ausfuhren in den Niger erheblich ausgeweitet und nimmt jetzt die Spitzenstellung ein (19 Prozent aller Importe). Wichtigstes Exportland für Niger ist weiterhin Frankreich (40 Prozent der gesamten Ausfuhren). Der wichtige Grenz- und Transithandel mit Nigeria ist aufgrund der dortigen Wirtschafts- und Währungskrise 2016 und durch die regionale Sicherheitslage in der Grenzregion, bedingt durch die Angriffe der terroristisch-extremistischen Gruppen Boko Haram und IS West African Province, massiv eingebrochen.

Mitgliedschaft in regionalen Wirtschaftsorganisationen

Niger ist unter anderem Mitglied der Wirtschaftsgemeinschaft westafrikanischer Staaten ECOWAS/CEDEAO, der Westafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion UEMOA , der Afrikanischen Entwicklungsbank AfDB und der Westafrikanischen Entwicklungsbank BOAD.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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